Teil 1: Spektroskopie · Kapitel 6 · Massenspektrometrie
Massenspektrometrie
Für Biomoleküle entscheidet die Ionisierung über Messbarkeit. Eine MS-Antwort sollte immer die Komponenten nennen:
- Ionenquelle;
- m/z-Analysator;
- Detektor;
- Vakuum;
- Signal-/Datenverarbeitung.
Moleküle müssen geladen sein, sonst lassen sie sich nicht mit elektrischen oder magnetischen Feldern beschleunigen/lenken. Vakuum ist nötig, damit Ionen nicht ständig mit Gasmolekülen kollidieren.
m/z Und Ladung
Massenspektren tragen auf der x-Achse (m/z), also Masse-zu-Ladungszahl. Für positive, protonierte Ionen gilt:
mit (m_H\approx1.0073) Da.
Umstellung:
Das ist die zentrale Rechnung für ESI-Aufgaben. Bei mehrfach geladenen Ionen liegt ein großes Molekül bei kleinerem m/z. Ein Protein mit 6000 Da und (z=5) erscheint ungefähr bei (m/z=1201).

Originalaufgabe aus der Musterprüfung: Ladungszustände, Isotopenabstände und Auflösung sind ein wiederkehrendes MS-Muster.
Isotope
Elemente haben natürliche Isotopenverteilungen. Moleküle erzeugen deshalb Isotopencluster. In organischen/Bio-Molekülen ist besonders ¹³C wichtig: viele C-Atome erhöhen die Wahrscheinlichkeit für M+1-Peaks.
Bei mehrfach geladenen Ionen rücken Isotopenpeaks enger zusammen:
Typische Klausurdiagnose:
- Abstand 1,0: einfach geladen;
- Abstand 0,5: zweifach geladen;
- Abstand 0,33: dreifach geladen;
- Abstand 0,2: fünffach geladen.
Ionisationsmethoden
EI
Elektronenstoßionisation:
EI ist hart: Es entstehen viele Fragmente. Das ist für kleine flüchtige Moleküle und Datenbankvergleich nützlich, aber für intakte Biomoleküle meist ungeeignet.
ESI
Elektrospray-Ionisation bringt gelöste Moleküle über geladene Tropfen in die Gasphase. Lösungsmittel verdunstet, Ladung bleibt zurück, Ionen werden ins MS überführt. ESI ist weich und gut mit LC koppelbar.
Typisch:
- mehrfach geladene Protein-/Peptidionen;
- Ladungszustandsserien;
- gut für polare/geladene Moleküle;
- empfindlich gegenüber Salzen, Puffern und Matrix.
MALDI
MALDI steht für Matrix Assisted Laser Desorption/Ionisation. Probe und Matrix kristallisieren zusammen. Der Laser wird überwiegend von der Matrix absorbiert; die Matrix unterstützt Desorption und Ionisation und schützt den Analyten.
Typisch:
- häufig einfach geladene Ionen;
- oft Kopplung mit TOF;
- geeignet für Peptide, Proteine, Polymere;
- Matrixhintergrund im unteren m/z-Bereich;
- Heterogenität der Kristalle kann Reproduzierbarkeit beeinflussen.

MALDI-TOF
Bei TOF werden Ionen beschleunigt und ihre Flugzeit gemessen. Bei gleicher Beschleunigung fliegen leichte Ionen schneller als schwere. Vereinfacht gilt:
In der Vorlesung wird für MALDI oft (z=1) angenommen. Dann entspricht m/z fast der Molekülmasse plus/minus Addukt.
MALDI-TOF-Fragen wollen oft:
- Matrixfunktionen nennen;
- Achsen des Spektrums erklären;
- einfach geladene Peaks skizzieren;
- Isotopenmuster/Addukte beachten;
- Auflösung beurteilen.
Auflösung
Die massenspektrometrische Auflösung beschreibt, wie gut nahe Peaks getrennt werden:
Häufig ist (\Delta m) die Halbwertsbreite (FWHM). Beispiel: Peak bei (m/z=1000), FWHM (0,20): (R=5000).
Hohe Auflösung ist wichtig, um Isotopenpeaks, Ladungszustände oder sehr ähnliche Massen zu unterscheiden. Niedrige Auflösung kann Cluster verschmelzen lassen.
m/z-Analysatoren
| Analysator | Prinzip | Typische Rolle |
|---|---|---|
| Quadrupol | stabiler/instabiler Ionenflug in RF/DC-Feldern | Routine, Selektion, Triple-Quad |
| TOF/Re-TOF | Flugzeit nach Beschleunigung | MALDI, schnelle Spektren, Q-TOF |
| Ionenfalle | Ionen speichern und sequenziell auswerfen | MS/MS, Strukturinformationen |
| Orbitrap/FT-ICR | Frequenzanalyse gespeicherter Ionen | sehr hohe Auflösung/Massengenauigkeit |
Routinefragen verlangen meist nicht jedes Detail, aber du solltest Quadrupol, TOF, Ionenfalle und Orbitrap/FT-ICR grob unterscheiden können.
MS/MS
Tandem-MS bedeutet: Ion auswählen, fragmentieren, Fragmente analysieren. Das ist zentral für Peptidsequenzierung, Strukturaufklärung und selektive Quantifizierung in LC-MS/MS.
Bei Triple-Quadrupol:
- Q1 selektiert Precursor-Ion;
- Q2 fragmentiert in Kollisionszelle;
- Q3 analysiert Product-Ionen.
Typische Klausurantworten
“Warum ESI für Proteine?” Weiche Ionisation aus Lösung, mehrfache Ladungen senken m/z in messbaren Bereich, gut mit LC koppelbar.
“Warum MALDI-Matrix?” Absorbiert Laserenergie, vermittelt Desorption, unterstützt Ionisation, schützt Analyt vor direkter harter Laserwirkung.
“Warum Vakuum?” Freie Ionenflugbahnen, weniger Kollisionen, definierte Felder/Flugzeiten.
“Warum Isotopenabstand 0,2?” Ladungszustand (z=5), weil ein Massenzuwachs von 1 Da durch fünf Ladungen auf 0,2 m/z verteilt wird.
Abruf-Quiz
Frage 1 / 5Ein Peptid mit M=6000 Da ist fünffach protoniert. m/z ungefähr?