IBA

Teil 2: Trennverfahren · Kapitel 9 · HPLC, RP und Ionenchromatographie

HPLC, RP und Ionenchromatographie

📄 Original-PDFs:alle Quellen →

HPLC-Grundlogik

HPLC ist die Methode fĂŒr nichtflĂŒchtige, thermisch empfindliche oder polare Analyten, die fĂŒr GC ungeeignet sind. Die Trennung beruht auf Wechselwirkungen zwischen Analyt, mobiler Phase und stationĂ€rer Phase.

In der Methodenwahl musst du von Stoffeigenschaften ausgehen:

  • Ionen: Ionenchromatographie, Ionenpaarchromatographie oder Ionenaustausch.
  • Unpolare bis mĂ€ĂŸig polare organische Stoffe: oft RP-HPLC.
  • UV-aktive Aromaten: HPLC-UV/DAD naheliegend.
  • Fluoreszierende PAK: RP-HPLC plus FLD.
  • Nicht UV-aktive AminosĂ€uren: Derivatisierung plus UV/Fluoreszenz.
  • Polymere/Zucker ohne Chromophor: RI oder ELSD erwĂ€gen.

Reversed Phase

RP-HPLC nutzt eine unpolare stationÀre Phase, typischerweise C18/ODS, C8 oder C4, und eine polarere mobile Phase. Je hydrophober der Analyt, desto stÀrker die Retention.

Wichtige Details aus den Folien/Fragen:

  • C18 ist hĂ€ufigster Standard.
  • C4 kann bei Proteinen sinnvoll sein, ist aber weniger abschirmend; freie Silanolgruppen können stĂ€rker zu Tailing beitragen.
  • Bei Peptiden/Proteinen ist RP sehr analytisch stark, aber fĂŒr prĂ€parative Proteinaufreinigung oft ungĂŒnstig, weil organische Lösungsmittel/saure Bedingungen denaturieren können.
  • Hydrophobe Interaktionschromatographie (HIC) ist fĂŒr native Proteinreinigung milder: hohe Salzkonzentration fördert Bindung, abnehmende Salzkonzentration eluiert.

Gradient

Gradientenbetrieb bedeutet: die Zusammensetzung der mobilen Phase wird mit der Zeit verÀndert. Zweck:

  • stark zurĂŒckgehaltene Substanzen schneller eluieren;
  • spĂ€te Peaks schmaler halten;
  • komplexe Gemische in akzeptabler Zeit trennen;
  • SĂ€ule am Ende reinigen und danach re-equilibrieren.

Typen:

  • Niederdruckgradient: Mischung vor der Pumpe; gĂŒnstiger, aber trĂ€ger.
  • Hochdruckgradient: mehrere Pumpen mischen nach Druckaufbau; schneller und genauer, aber teurer.

RI-Detektoren sind bei Gradienten problematisch, weil sich der Brechungsindex der mobilen Phase Àndert.

HPLC-Detektoren

Originalfolie zu HPLC-Detektortypen

Anforderungen an gute Detektoren:

  • hohe SensitivitĂ€t;
  • kurze Ansprechzeit;
  • stabile Basislinie, wenig Drift;
  • hoher linearer Bereich;
  • kleine Messzelle, damit keine Bandenverbreiterung entsteht;
  • passend selektiv oder universell.
DetektorStÀrkeGrenze
UV/VISgĂŒnstig, linear, gradientenfĂ€hig, zerstörungsfreinur UV/VIS-aktive Stoffe
DADganzes Spektrum pro Peakmehr Daten, nicht automatisch spezifisch
FLDsehr empfindlich/selektivnur Fluorophore oder Derivate
RIuniversell, zerstörungsfreiunempfindlich, temperaturabhÀngig, kein Gradient
ELSDuniverseller fĂŒr nichtflĂŒchtige Analytendestruktiv, mobile Phase muss flĂŒchtig sein
MSsehr spezifisch/empfindlichteuer, mobile Phase muss MS-tauglich sein

UV/VIS-aktiv sind aromatische und ungesĂ€ttigte/konjugierte Verbindungen. Je kĂŒrzer die WellenlĂ€nge, desto unspezifischer wird die Detektion.

Ionenchromatographie

Ionenchromatographie ist fĂŒr anorganische Ionen und kleine organische Ionen optimiert. Der Trennprozess beruht auf Konkurrenz um geladene BindungsplĂ€tze.

FĂŒr Anionen nutzt man Anionenaustauscher, fĂŒr Kationen Kationenaustauscher. Retention hĂ€ngt ab von:

  • Ladung des Ions;
  • GrĂ¶ĂŸe inklusive HydrathĂŒlle;
  • BindungsstĂ€rke des Ionenaustauschers;
  • pH-Wert;
  • Gegenion der mobilen Phase;
  • IonenstĂ€rke.

Höhere IonenstĂ€rke verkĂŒrzt meist die Retentionszeiten, weil mehr Gegenionen um die BindungsplĂ€tze konkurrieren.

Suppression

Problem der LeitfÀhigkeitsdetektion: Der Eluent leitet selbst stark. Dadurch ist der Hintergrund hoch und das Signal/Rausch-VerhÀltnis schlechter.

Lösungen:

  • elektronische UnterdrĂŒckung: Hintergrund wird rechnerisch abgezogen, kein zusĂ€tzliches SĂ€ulenvolumen, aber höheres Rauschen;
  • chemische UnterdrĂŒckung: Suppressor senkt EluentenleitfĂ€higkeit und erhöht AnalytleitfĂ€higkeit.

Originalfolie zur Suppressor-Technik in der Anionenanalytik

Beispiel Anionenanalytik:

  • Eluent Natriumhydrogencarbonat wird zu KohlensĂ€ure umgesetzt, also geringere LeitfĂ€higkeit.
  • Analyt Natriumchlorid wird zu SalzsĂ€ure umgesetzt, also höhere LeitfĂ€higkeit.

Vorteile Suppressor:

  • höhere Empfindlichkeit;
  • Gradientenelution möglich.

Nachteile:

  • zusĂ€tzliches Totvolumen kann Peaks verbreitern;
  • klassische SuppressorsĂ€ulen mĂŒssen regeneriert werden;
  • Mikromembransuppressoren arbeiten kontinuierlich.

Ionenpaarchromatographie

Bei Ionenpaarchromatographie wird der mobilen Phase ein Gegenion zugesetzt. Es bildet mit dem ionischen Analyten ein nach außen weniger geladenes oder neutrales Ionenpaar, das stĂ€rker mit einer RP-Phase wechselwirkt.

Typische Reagenzien:

  • fĂŒr kationische Analyten: organische Sulfonate;
  • fĂŒr anionische Analyten: quartĂ€re Ammoniumionen.

Klausurantwort: Das Verfahren macht ursprĂŒngliche Ionen unter RP-Bedingungen retinierbar, kann aber Gleichgewichte, Reproduzierbarkeit und MS-Kopplung erschweren.

Quellen:Tric VL5 Van Deemter und HPLC Komponenten, Tric VL6 Komponenten einer HPLC, Tric VL8 Proteinanalytik Teil II, Tric Testklausur IBA, Schödel Fragenkatalog

Abruf-Quiz

Frage 1 / 4

Warum braucht Ionenchromatographie bei LeitfÀhigkeitsdetektion oft Suppression?